Leseprobe:

Mein Blick in eine andere Welt

von Doris Franz

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ISBN 978-3-930403-34-9


 

... All diese Eindrücke konnte ich nicht auf einmal erfassen und glaubte sogar fest daran, dass meine tote Mutter jeden Augenblick zur Tür hereinkommen müsste. In meinem Verstand vermischten sich Bauch (Gefühl) und Verstand mit meiner Einbildung. Ich war nicht mehr nur auf der irdischen Bewusstseinsebene, sondern wechselte zwischen Realität und Einbildung hin und her. Ich konnte während meines Alltages diese beiden Ebenen nicht mehr eindeutig auseinander halten. Somit wusste ich nicht mehr, was ich als real oder imaginär erlebte. Zeitweise hörte ich die Gedanken der Menschen, auch die meiner Familie, die mich für verrückt hielten. Wäre ich in ihrer Situation gewesen, hätte ich vermutlich das Gleiche gedacht.
Ich verkraftete das Lesen der Gedanken meiner Umwelt und die damit verbundenen vielen Stimmen in meinem Kopf nicht lange, weshalb sich schmerzende, körperliche Symptome einstellten. Natürlich mussten mich alle für verrückt halten, wenn man mit einer Wintermütze, die sich Verwandlungsmütze nennt, bei 40 Grad in der Sonne sitzt, die Ohrenschützer heruntergeklappt, damit ich die Gedanken der anderen nicht mehr hören konnte.
Wie sollte ich meine hellsichtigen Fähigkeiten jemandem erklären, wenn ich diese selbst nicht so recht verstand? Wie sollte ich jemandem erklären können, dass in solch einer verzwickten Situation mir nur Gebete Kraft gaben?
Ich hätte mich auch für verrückt gehalten, wäre da nicht dieses weite, klare Bewusstsein in meinem Kopf gewesen. Mir wurde in dieser Situation schlagartig klar, dass ich in eine entsprechende Einrichtung zur Behandlung musste, schon meinen Angehörigen zuliebe. Ich teilte dies meiner Familie mit und bekam auch kurzfristig in der Neurologie einen Termin.
In meiner anfänglichen Begeisterung erzählte ich dem dort behandelnden, jungen Arzt von meinen Erlebnissen und den vielen Stimmen. Sein Gesicht während meiner Untersuchung sehe ich heute noch deutlich vor mir. Es spiegelte seine Abneigung mir gegenüber wider.
In dieser Zeit nahm ich über mein erweitertes Bewusstsein wesentlich mehr Dinge wahr und so bemerkte ich auch die harten Mauern in meiner eigenen Familie gegen mich, die immer wieder meinen Tatendrang bremsten. Ich wollte diesen von mir geliebten Menschen über Gespräche die Bilder in meinem Kopf mitteilen, doch keiner glaubte mir.
Somit war ich doch irgendwie erleichtert, als mich dieser junge Arzt in die Psychiatrie überwies. Kleider und alles Notwendige hatte ich vorsorglich schon mitgenommen, da ich hoffte, dort Gehör zu finden, damit sich alles schnell aufklärt.
Die zuständige Ärztin der Nervenklinik wollte zuerst mit meinem Männern alleine sprechen, was für mich sehr deprimierend war, da man sich wie ein kleines Kind und entmündigt vorkommt. Es war mir deshalb klar, dass sich diese Frau bereits eine Meinung über mich gebildet hatte, obwohl sie mich noch gar nicht persönlich kannte oder mit mir gesprochen hatte. Somit versuchte ich sie erst gar nicht zu bereden und konzentrierte mich auf das Wesentlichste, nämlich dass ich keine neuen Medikamente verabreicht bekam, solange meine Parkinson-Präparate in meinem Körper noch nicht abgebaut waren. ...

 

 

 

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ISBN 978-3-930403-34-9

Die Autorin

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Doris Franz


 

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